Für eine gesunde, nachhaltige, gerechte und gegenseitig unterstützende Gemeinsame Agrarpolitik

Einführung

Wir sind eine breite Allianz von Organisationen - List unten-  besorgt über die Zukunft von Lebensmitteln und der Landwirtschaft in Europa. Wie in anderen Regionen der Welt, so nimmt auch in Europa die Zahl jener Menschen und Organisationen, die sich für ein gerechteres und nachhaltigeres Lebensmittelsystem einsetzen, zu. Viele Menschen sind aktiv am Aufbau von lokalen, zukunftsfähigen Alternativen gegenüber dem gegenwärtigen System der Lebensmittelproduktion und -verteilung sowie den aktuellen Konsummustern engagiert. Dieses neue Lebensmittel- und Agrarsystem basiert auf den Prinzipien der Gerechtigkeit, dem universellen Recht auf Nahrung, guter Regierungsführung und Transparenz.

Eine Vielzahl von Aktivitäten, wie z.B. die Stärkung von regionalen Wirtschaftskreisläufen via lokaler Bauernmärkte, den Ankauf von lokal produzierten Lebensmittel seitens öffentlicher Institutionen oder der Tausch von Saatgut sind in den letzten Jahren überall in Europa entstanden und erfahren zunehmende Ausweitung. Zusätzlich zeigen auch neue Initiativen wie z.B. die Transition Town Bewegung, gentechnikfreie Regionen und nationale sowie lokale Debatten über die aktuelle Lebensmittelpolitik ein gestiegenes öffentliches Interesse für eine andere Lebensmittel- und Agrarpolitik.

Lokale Initiativen und Bewegungen allein reichen jedoch nicht aus. Wir sind der Meinung, es ist an der Zeit, eine breite europäische Allianz zwischen all jenen Gruppen die sich für ein anderes Lebensmittelsystem einsetzen, mit dem Ziel, der aktuellen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sowie den Plänen der Europäischen Kommission und unserer Regierungen für die Reform der GAP 2013 Alternativen entgegenzustellen, aufzubauen. Denn die Vision der politisch Verantwortlichen ist, die GAP weiterhin rund um das Ziel der „globalen Wettbewerbsfähigkeit“ der Europäischen Lebensmittelindustrie zu reformieren. Die politische Auseinandersetzung für die GAP 2013 beginnt bereits jetzt. Wir glauben, es braucht eine klar sichtbare, alternative Vision für eine GAP, die den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen ist – für die politisch Verantwortlichen auf der EU Ebene aber auch auf der Ebene der Mitgliedsstaaten.

Dafür haben wir eine “European Food Declaration: für eine gesunde, nachhaltige, gerechte und gegenseitig unterstützende Gemeinsame Agrar- und Lebensmittelpolitik” erarbeitet. Darin haben wir die politischen Ziele einer GAP für die nächsten Jahrzehnte aus unserer Sicht formuliert. Wir laden alle Organisationen, Gruppen und Personen ein, diese Erkärung zu unterschreiben und diese zur Förderung einer Diskussion über welche Agrar- und Lebensmittelpolitik wir brauchen, zu nutzen. Wir laden Euch auch ein, diese Erklärung anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen von denen Ihr wisst, dass sie auch zu diesem Thema arbeiten, weiterzuschicken.

Unser Ziel ist es, bis Ende Februar eine möglichst grosse Anzahl an Unterschriften innerhalb unserer Netzwerke zu sammeln. Am 16. März wird dann diese Erklärung veröffentlicht. Jeder/jede wird sie online unterschreiben können.

Diese Erklärung ist ein erster Schritt in unserem Bestreben eine breite Bewegung für eine Veränderung der aktuellen Agrar- und Lebensmittelpolitik und –praxis in Europa (inklusive der EU) in Richtung Ernährungssouveränität, aufzubauen. Für 2011 planen wir ein europaweites Forum für all jene Organisationen und Personen, die sich mit diesem Thema beschäftigen und ein Interesse an einer gemeinsamen europäischen Plattform zur Erreichung unserer gemeinsamen Ziele haben. Sofern Ihr Interesse habt, Euch an der Vorbereitung und/oder der Organisation dieses Forums zu beteiligen, meldet Euch bei uns.

 

Erklärung

Wir, die Unterzeichnenden, sind der Meinung, dass die Europäische Union eine Antwort auf die dringenden Herausforderungen in Bezug auf Lebensmittel und Landwirtschaft finden muss.

Die Industrialisierung der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion hat in mehr als einem halben Jahrhundert die Anzahl bäuerlicher Betriebe in Europa erheblich reduziert. Auch die Vielfalt lokaler Esskulturen wurde weniger. Unser Nahrungsmittelsystem ist heute abhängig von billigem Erdöl, respektiert die natürlichen Grenzen der Verfügbarkeit von Land und Wasser nicht und fördert eine ungesunde Ernährungsweise, die reich an Kalorien, Fett und Salz, jedoch arm an Obst, Gemüse und Getreide ist. Steigende Energiekosten, drastische Verluste an Biodiversität, ein sich veränderndes Klima und rückläufige Wasser- und Landressourcen bedrohen die zukünftige Nahrungsmittelproduktion. Während auf der einen Seite eine wachsende Weltbevölkerung zunehmend mit weit verbreitetem Hunger konfrontiert ist, gibt es immer mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen infolge des Überkonsums von Lebensmitteln.

Diese Herausforderungen werden wir nur dann erfolgreich bewältigen, wenn wir gänzlich andere Lebensmittel- und Agrarpolitiken und –praxen entwickeln und umsetzen. Die Europäische Union muss die zentrale Rolle nachhaltiger, bäuerlicher Landwirtschaft für die Versorgung der Menschen in Europa mit gesunden und verschiedenen Lebensmitteln anerkennen und unterstützen. Alle Menschen müssen Zugang zu gesunden, sicheren und nahrhaften Lebensmitteln haben. Die Art und Weise, wie wir Nahrungsmittel anbauen, verteilen, zubereiten und essen, muss Europas kulturelle Vielfalt würdigen, und zugleich sicherstellen, dass wir unser Überleben in einer gerechten und nachhaltigen Weise sicherstellen.

Bereits jetzt werden Vorschläge für die Reform der Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP), die mit 2013 verändert werden sollen, diskutiert. Nachdem in den letzten Jahrzehnten transnationale Konzerne und die Welthandelsorganisation (WTO) die Lebensmittel- und Landwirtschaftspolitik dominiert haben, ist es jetzt an der Zeit, dass die Menschen in Europa wieder selbst über die Landwirtschafts- und Nahrungsmittelpolitik bestimmen: es ist Zeit für Ernährungsouveräntität. Wir sind der Meinung, dass eine neue Gemeinsame Lebensmittel- und Agrarpolitik den Menschen der Mitgliedsländer der EU ebenso wie jenen der Beitrittskandidaten die Möglichkeit und das Recht garantieren muss, über die Art und Weise, wie sie Nahrungsmittel anbauen, verteilen und konsumieren wollen – entlang der nachstehenden Prinizpien – selbst zu bestimmen.

Die neue Gemeinsame Lebensmittel- und Agrarpolitik:

1. Versteht Nahrung als ein universales Menschenrecht und Lebensmittel nicht lediglich als eine Ware.

2. Gibt dem Anbau von Lebens- und Futtermitteln in und für Europa den Vorzug und verändert internationalen Agrarhandel auf der Basis der Prinzipien von Gleichheit, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Die GAP darf dabei die Lebensmittel- und Agrarsysteme anderer Länder nicht schädigen oder zerstören.

3. Fördert gesunde Essgewohnheiten sowie Ernährungsformen, die vor allem auf pflanzlicher Basis beruhen und die den Konsum von Fleisch, von energie-intensiven, hochverarbeiteten Nahrungsmitteln sowie von gesättigten Fetten reduzieren. Dabei werden weiterhin kulturell verschiedenen Essgewohnheiten und regionale Traditionen respektiert.

4. Priorisiert die Erhaltung von landwirtschaftlicher Produktion durch eine Vielzahl von Bauern und Bäuerinnen in ganz Europa, die Lebensmittel erzeugen und Kulturlandschaften erhalten. Dieses Ziel ist ohne gerechte und sichere Preise für landwirtschaftliche Produkte, die Bauern und Bäuerinnen und LandarbeiterInnen ein gerechtes Einkommen bzw. einen gerechten Lohn ermöglichen, bei gleichzeitig leistbaren Preisen für KonsumentInnen, nicht machbar.

5. Stellt faire, nicht diskriminierende Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche ProduzentInnen und LandarbeiterInnen in Zentral- und Osteuropa sicher und fördert den fairen und gleichen Zugang zu Land.

6. Respektiert die lokale und globale Umwelt, schützt die endlichen Boden- und Wasserresourcen, erweitert die Biodiversität und respektiert Tierwohlfahrt.

7. Garantiert, dass Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion frei von Gentechnik bleibt und stärkt die Kontrolle von Bauern und Bäuerinnen über Saatgut und die Diversität lokaler Vielfalt.

8. Stoppt die Förderung des Anbaus und der Verwendung von industriell produzierten Agrotreibstoffen und priorisiert die Reduktion von Transporten.

9. Stellt Transparenz entlang der gesamten Nahrungsmittelkette sicher, sodass BürgerInnen darüber Bescheid wissen, wie ihre Nahrungsmittel produziert wurden, woher sie kommen, woraus sie bestehen und was im Endverbraucherpreis enthalten ist.

10. Reduziert die Machtkonzentration und den Einfluss der lebensmittelverarbeitenden Industrie sowie des Einzelhandels im Hinblick auf das, was produziert und konsumiert wird und fördert ein Lebensmittelsystem, in dem die Distanzen zwischen den ProduzentInnen und KonsumentInnen verringert werden.

11. Fördert den Anbau und Konsum von hoch qualitativen lokalen und saisonalen Lebensmitteln und unterstützt damit eine engere Verbindung zwischen Bauern/Bäuerinnen und KonsumentInnen.

12. Stellt Ressourcen für die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten über die Lebensmittelproduktion, die Verarbeitung und den Genuss von gesunden und nahrhaften Lebensmitteln an Kinder bereit.

 

Europe

International

  • FIAN International
  • Transnational Institute
  • Action Aid International

Austria

  • ÖBV-Via Campesina Austria
  • Global 2000
  • Südwind
  • Dreikönigsaktion
  • Attac Austria
  • Slow Food Linz
  • SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil
  • Agrarbündnis
  • FIAN Austria
  • Gewerkschaft PRO-GE
  • ARGE Schöpfungsverantwortung
  • WWOOF Österreich
  • ARCHE NOAH

Belgium

  • FUGEA
  • Movement d’Action Paysanne (MAP)
  • Vredeseilanden
  • vzw 't Uilekot
  • Wervel
  • VODO
  • Netwerk Bewust Verbruiken
  • Attac Vlaanderen
  • Broederlijk Delen
  • EVA vzw
  • Friends of the Earth Vlaanderen en Brussel
  • Velt
  • Ecolife
  • Missionarissen van Steyl (Commissie Gerechtigheid, Vrede en Heelheid van de Schepping)
  • Bioforum Vlaanderen
  • Attac Bruxelles-Wallonie
  • Bevrijde Wereld

Bulgaria

  • Agrolink

Czech Republic

  • Hnuti Duha - FOE CZ

Denmark

  • Frie Boender
  • Attac Denmark

Finland

  • Attac Finland

France

  • Confédération Paysanne
  • ATTAC France
  • CFSI
  • Peuples Solidaires en association avec ActionAid
  • Bretagne Vivante - SEPNB
  • Nature & Progrès
  • GRAPPE (GRoupement des Associations Porteuses de Projets en Environnement)
  • MINGA

Germany

  • Buko Agrarkoordination (D)
  • Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND)
  • Agrarbündnis
  • Bestes Bio - Fair für Alle e.V.
  • Naturland
  • Biofair
  • Demeter
  • Saatgut Aktionsnetzwerk
  • Gentechnikfreies Europa e.V.

Greece

  • NEAK

Hungary

  • Alliance for Food Sovereignty, Hungary

Italy

  • Italian Committee for Food Sovereignty (273 members)
  • Associazione Michele Mancino
  • Associazione Rurale Italiana
  • ATTAC
  • AUCI
  • Centro Internazionale Crocevia
  • CESTAS
  • Fair
  • FOCSIV - Volontari nel mondo
  • Fondazione Diritti Genetici
  • Mani Tese
  • Movimento Lotta Fame nel Mondo
  • Movimento Sviluppo e Pace
  • Slow Food Italia
  • Terra Nuova
  • WILPF, Italy

Luxemburg

  • SOS Faim Luxembourg

Netherlands

  • A SEED Europe www.aseed.net
  • Afrika-Europa Netwerk
  • XminY Solidariteitsfonds
  • Vereniging Milieudefensie
  • Boerengroep Wageningen

Norway

  • Norske bonde-og Smabrukarlag (Norwegian Farmers’ and Smallholders’ Union)

Poland

  • Attac Poland

Portugal

  • CNA
  • Plataforma Transgénicos Fora
  • MARP - Associação Das Mulheres Agricultoras e Rurais Portuguesas
  • ARP - Aliança para Defesa do Mundo Rural Português
  • ACOP - Associação de Consumidores de Portugal

Romania

  • "Rencontres du Patrimoine Europe-Roumanie" - RPER
  • "Centrul Independent pentru Dezvoltarea Resurselor de Mediu" CIDRM
  • "Centrul de Informare asupra Organismelor Modificate Genetic" InfOMG
  • "Eco Ruralis - in sprijinul taranilor ecologici si traditionali"
  • Slow Food Turda + Slow Food Cluj Transylvania
  • Asociatia ARIN
  • Asociatia AGORA" - Grup de Lucru pentru Dezvoltare Durabila
  • Fundatia Eco Civica
  • Asociatia Mai Bine" / The Association for the Better
  • Asociatia Fermierul Cozia
  • Asociatia Gib Bio Grup
  • Fundatia Speranta Sfantul Stefan
  • Asociatia Valea Soarelui
  • Asociatia Fair Trade Efectul Fluture
  • Asociatia Sighisoara Durabila
  • BIO COOP - Cooperativa de gospodari bio
  • Asociatia Eco Assist
  • Microregiunea Poganyhavas
  • Asociatia Hosman Durabil
  • Cooperativa Escar Prod
  • Clubul Ecologic Transilvania
  • WWOOF Romania
  • Asociatia Prietenii Pamantului Galati
  • Asociatia Zdreanta
  • Asociatia Focus Eco Center
  • Asociatia Re.Generation
  • Centrul de Resurse pentru Initiative Etice si Solidare” CRIES
  • Asociatia pentru Sustinerea Agriculturii Taranesti” ASAT
  • Asociatia pentru Mediu si Turism Ulmul Cerasului
  • TERRA Mileniul III
  • Asociatia Turda Fest
  • Asociatia Ecologica Turismverde
  • Asociatia Bio Romania
  • Asociatia ALMA-RO
  • Reteaua de Actiune pentru Clima Romania
  • Fundatia KESARION - pentru o viata romaneasca traditionala
  • Asociatia Alburnus Maior - Rosia Montana

Slovakia

  • CEPTA – Centre for Sustainable Alternatives

Slovenia

  • Drustvo za razvoj slovenskega podezelja (Slovenian Rural Development Network)

Spain

  • Sindicato de obreros del campo, Andalucía
  • Sindicato Labrego Galego
  • Federación Estatal de Pastores
  • Attac Spain
  • Plataforma Rural / Alianzas pour un mundo rural vivo
  • Amigos de la Tierra España

Sweden

  • Attac Sweden

Switzerland

  • L’autre Syndicat
  • Plateforme pour une agriculture socialement durable
  • Swissaid

Turkey

  • CIFTCI-SEN- Farmers’ Union Confederation: “Union of Tea”, “Union of Hazelnut”, “Union of Olive”, “Union of Grape”, “Union of Tobacco”, “Union of Sunflower”, “Union of Grain”, Union of Animal Breeders)
  • TARIM OR KAM- SEN / Union of Public Employees in the Agriculture and Forestry Branch
  • Initiative for Rural Development (38 organisations)
  • No To GMOs Platform (75 organisations)
  • KECI - Urban Initiative in solidarity with Farmers
  • Ecological Farmers’ Association
  • IMECE Eco-village, Natural Life and Ecological Solutions Association
  • Turkish Agricultural Economics Association
  • Bogatepe Environmental Life Association
  • Bogatepe Development Co-operative
  • Kuyucuk Village Development Co-operative
  • Kuyucuk Village Bird Sanctuary Protection and Tourism Development Association
  • Buyukcatma Natural Food Producers’ Association
  • Yolboyu Village Development Co-operative
  • Bogazkoy Development Co-operative
  • Slow Food Adapazari Convivium,Slow Food Alacati-Cesme Convivium,Slow Food Ankara Convivium,Slow Food Fikir Sahibi Damaklar Convivium,Slow Food Gaziantep Convivium,Slow Food Igdir Convivium,Slow Food Izmir Bardacik Convivium,Slow Food Kars Convivium,Slow Food Samsun Convivium,Slow Food Tire Convivium,Slow Food Urla Convivium,Slow Food Yagmur Boregi Convivium, Slow Food Alacati-Cesme Convivium

United Kingdom

  • War on Want
  • UK Platform for Food Sovereignty
  • Scottish Crofting Federation
  • One Planet Food Scotland
  • Munlochy Vigil
  • World Family
  • Soil Association